Glossar

Fachbegriffe aus Finanzierung, Förderung und Betrieb

23 Schlüsselbegriffe, die in Businessplänen, Pitch Decks, Förder­anträgen und Betriebs­konzepten immer wieder auftauchen — kompakt definiert, mit Wikidata-Verknüpfung und Querverweisen zu den relevanten Ratgebern.

Finanzierungs-Dokumente

Businessplan

Ein Businessplan ist das zentrale Dokument zur Darstellung eines Geschäftsvorhabens. Er verbindet Markt­analyse, Geschäfts­modell, Finanzplanung und Risikobetrachtung in einer strukturierten Argumentation für Investoren, Förder­stellen oder interne Gremien. In Deutschland verlangen Agentur für Arbeit, IHK und Landesförderbanken Businesspläne als Entscheidungs­grundlage für Zuschüsse und Kredite.

Wikidata Q208034 ↗ · Leistung: Businessplan · Ratgeber: Businessplan erstellen

Pitch Deck

Ein Pitch Deck ist eine 10- bis 15-seitige visuelle Zusammenfassung eines Vorhabens für Investoren. Es folgt einer bewährten Dramaturgie (Problem, Lösung, Markt, Geschäfts­modell, Traktion, Team, Ask) und wird sowohl als Leave-Behind per E-Mail als auch live präsentiert. Abgrenzung zur Unternehmens­präsentation: Das Pitch Deck zielt auf Kapitalgeber, die Unternehmens­präsentation auf Käufer oder Partner.

Wikidata Q7192663 ↗ · Leistung: Pitch Deck · Ratgeber: Aufbau · Ratgeber: Delivery

Machbarkeitsstudie

Eine Machbarkeitsstudie prüft vor einer Investitionsentscheidung die technische, wirtschaftliche und rechtliche Umsetzbarkeit eines Vorhabens. Förder­programme (KfW, BAFA) unterstützen Machbarkeitsstudien teilweise als vorgelagerte Leistung zum Projektstart.

Wikidata Q659653 ↗ · Leistung: Machbarkeitsstudie

Unternehmensbewertung

Die Unternehmensbewertung ermittelt den wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens für Kauf-, Verkaufs-, Nachfolge- oder Streitszenarien. Üblich sind Ertragswertverfahren, DCF-Methode und Multiplikator-Ansätze. Für steuer- oder gerichtsbindende Zwecke ist meist ein IDW-S1-konformes Gutachten eines zertifizierten Bewerters erforderlich.

Wikidata Q652253 ↗ · Leistung: Unternehmensbewertung

Strategie & Methodik

SWOT-Analyse

Die SWOT-Analyse strukturiert Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Bedrohungen (Threats) eines Unternehmens oder Vorhabens. Sie ist methodische Grundlage für Strategieentscheidungen und wird von Investoren, Förder­stellen und internen Gremien als Standardinstrument erwartet.

Wikidata Q175096 ↗ · Leistung: SWOT-Analyse · Ratgeber: SWOT-Analyse

Markt­analyse

Die Markt­analyse untersucht Zielgruppen, Marktgröße, Trends und Wettbewerber eines Vorhabens. Belastbare Markt­analysen werden bottom-up hergeleitet (konkrete Zielkunden × Preis × Frequenz), nicht top-down aus Analystenreports zitiert. Primärquellen: Destatis, Eurostat, IHK-Konjunkturberichte, Fachverbands-Statistiken.

Wikidata Q1901028 ↗ · Leistung: Markt­analyse · Ratgeber: Markt­analyse erstellen

Risikoanalyse

Die Risikoanalyse identifiziert, bewertet und priorisiert Risiken für Unternehmen, Projekte oder Vorhaben. Internationale Grundlage ist die Norm ISO 31000, in regulierten Branchen (Pharma, Medizin, Finanz, Energie) gelten zusätzliche sektorspezifische Richtlinien. Jede Risikoposition erhält Eintrittswahrscheinlichkeit, Auswirkung und Gegenmaßnahme.

Wikidata Q1420685 ↗ · Leistung: Risikoanalyse

Leitbild

Ein Leitbild ist die schriftliche Fixierung von Werten, Vision und Mission einer Organisation. Es dient als orientierende Grundlage für strategische Entscheidungen, Außendarstellung und interne Kultur. Anders als Marketing-Texte ist ein belastbares Leitbild methodisch aus der gelebten Kultur heraus entwickelt, nicht von außen aufgesetzt.

Wikidata Q1757185 ↗ · Leistung: Leitbild

Förder­programme

Gründungs­zuschuss

Der Gründungs­zuschuss ist eine Ermessensleistung der Agentur für Arbeit nach § 93 SGB III für Selbstständige, die aus Arbeitslosigkeit gründen. Phase 1 (6 Monate, Pflichtleistung): ALG I plus 300 Euro Sozialversicherungspauschale. Phase 2 (9 Monate, Ermessen): 300 Euro monatlich. Voraus­setzungen: Restanspruch ALG I ≥ 150 Tage, Tragfähigkeits­bescheinigung einer fachkundigen Stelle, hauptberufliche Ausübung.

Wikidata Q1563862 ↗ · Arbeitsagentur ↗ · Leistung · Ratgeber: beantragen · Rechner

EXIST-Gründerstipendium

EXIST ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für wissenschaftsbasierte Ausgründungen aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Gefördert werden bis zu 3 Teamgründer mit monatlichen Stipendien plus Sach- und Coachingmitteln. Voraussetzung: Hochschul-Partner und innovative Geschäftsidee.

Wikidata Q1374706 ↗ · exist.de ↗ · Leistung: EXIST-Antrag · Ratgeber

ZIM — Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand

ZIM ist ein bundesweites Förderprogramm des BMWK für mittelständische Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit innovativen FuE-Projekten. Es gibt drei Projekttypen: Einzelbetrieblich, Kooperation (mindestens zwei Partner), Innovationsnetzwerk. Förderquote typischerweise 25–55 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten, abhängig von Unternehmensgröße und Kooperation.

Wikidata Q2531321 ↗ · zim.de ↗ · Leistung: ZIM-Antrag

Horizon Europe

Horizon Europe ist das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation mit einem Gesamtbudget von 95,5 Milliarden Euro (2021–2027). Es gliedert sich in drei Säulen: Exzellente Wissenschaft, Globale Herausforderungen, Innovatives Europa. Für Deutschland koordiniert das DLR-PT als Nationale Kontaktstelle.

Wikidata Q65048194 ↗ · EU Funding Portal ↗ · Leistung: Horizon-Europe-Antrag

Betrieb & Compliance

HACCP — Hazard Analysis and Critical Control Points

HACCP ist das international standardisierte Eigenkontrollsystem für Lebensmittelsicherheit. In der EU gesetzlich verankert in der Verordnung 852/2004 über Lebensmittelhygiene. Jeder Lebensmittelbetrieb muss ein HACCP-Konzept mit Gefahrenanalyse, kritischen Kontrollpunkten und dokumentierter Eigenkontrolle vorhalten. Überwachung durch Lebensmittelbehörde und Veterinäramt.

Wikidata Q279454 ↗ · EU-VO 852/2004 ↗ · Leistung: Hygienekonzept HACCP

ISO 9001 — Qualitätsmanagementsysteme

ISO 9001:2015 ist die internationale Norm für Qualitätsmanagementsysteme. Sie definiert prozessorientierte Anforderungen an die systematische Planung, Umsetzung und Verbesserung von Qualität in Organisationen. Eine Zertifizierung erfolgt durch DAkkS-akkreditierte Zertifizierungsstellen, geprüft wird regelmäßig durch Audits (typisch jährlich).

Wikidata Q1154717 ↗ · iso.org ↗ · Leistung: QM-Handbuch ISO 9001

ESG-Bericht / Nachhaltigkeitsbericht

ESG steht für Environmental, Social, Governance. Ein ESG- oder Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert die Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Performance einer Organisation. Seit der CSRD-Richtlinie (EU 2022/2464) sind immer mehr Unternehmen berichtspflichtig, die ESRS-Standards (European Sustainability Reporting Standards) definieren die konkreten Datenpunkte.

Wikidata Q15967007 ↗ · CSRD ↗ · Leistung: ESG-Bericht

Kommunikation & Reporting

White Paper

Ein White Paper ist ein autoritatives Fach- und Positionsdokument, das ein Thema tiefgehend erklärt und eine Lösung oder Empfehlung argumentiert. Es wird typisch in B2B-Marketing zur Lead-Generierung, in Politik zur Positionierung und in Forschung zur Einführung neuer Ansätze eingesetzt. Länge: 6–30 Seiten, formale Sprache, Belege obligatorisch.

Wikidata Q223557 ↗ · Leistung: White Paper

Pressemitteilung

Eine Pressemitteilung ist die formale Informationsvorlage für Redaktionen mit dem Ziel redaktioneller Berichterstattung. Formale Anforderungen: Nachrichtenwert, objektive Darstellung, Zitate, Kontaktangaben. Gute Pressemitteilungen folgen dem Prinzip der umgekehrten Pyramide — wichtigste Information zuerst.

Wikidata Q6527 ↗ · Leistung: Pressemitteilung

Geschäftsbericht

Der Geschäftsbericht ist die jährliche Bilanzdarstellung eines Unternehmens für Gesellschafter, Aufsichtsrat, Mitarbeiter und Öffentlichkeit. Er kombiniert Lagebericht (Textteil mit Einordnung) und Jahresabschluss (Zahlen). Für größere Kapitalgesellschaften ist er nach HGB verpflichtend und wird im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Wikidata Q1054095 ↗ · Leistung: Geschäftsbericht

Behörden & Institutionen

Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die deutsche Sozialversicherungsbehörde für Arbeitsförderung, Berufsberatung und Arbeitsvermittlung. Zuständig für Arbeitslosengeld I, Gründungs­zuschuss, Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine. Sitz in Nürnberg, 155 Agenturen bundesweit.

Wikidata Q1478016 ↗ · arbeitsagentur.de ↗

BAFA — Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

Das BAFA ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des BMWK. Zuständig für Wirtschafts- und Energieförderung (Beratungsförderung für KMU, Energieeffizienz-Programme, Heizungsförderung) sowie Ausfuhrkontrolle. Sitz in Eschborn, über 2.000 Mitarbeiter.

Wikidata Q1005513 ↗ · bafa.de ↗ · Ratgeber: BAFA-Beratungsförderung

IHK — Industrie- und Handelskammer

Die IHKs sind die gesetzlichen Interessenvertretungen der Gewerbebetriebe (außer Handwerk) in Deutschland. Sie übernehmen hoheitliche Aufgaben (Berufsausbildung, Prüfungswesen, Gutachten) und bieten Existenzgründungsberatung. 79 regionale IHKs, Dachverband: DIHK. Für Gründungs­zuschuss-Anträge und Businessplan-Stellungnahmen ist die IHK oft fachkundige Stelle.

Wikidata Q897399 ↗ · ihk.de ↗

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